Ökodesign-Richtlinie 2021

Allgemeines / Einführung

Die allgemeine Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG ist eine europaweite Richtlinie, welche die Erfordernisse an eine umweltgerechte Ausgestaltung energieverbrauchsrelevanter Produkte innerhalb der europäischen Union definiert. Sie wird durch die Verordnung (EU) 2019/2020  der Kommission vom 1. Oktober 2019 zur Festlegung von Ökodesign-Richtlinien an Lichtquellen und separaten Betriebsgeräten ersetzt. Die neue Verordnung gilt ab dem 1. September 2021.

Ebenfalls ab 1. September 2021 gilt die neue Verordnung (EU) 2019/2015, welche die Kennzeichnung von Lichtquellen zum Inhalt hat.

Schaubild Ökodesign Das Schaubild zeigt die Entwicklung der Ökodesign-Richtlinie und Verordnung zur Kennzeichnung von Lichtquellen seit der ersten Implementierung im Jahre 2009/2010.

Ökodesign-Verordnung EU 2019/2020

Die neue Ökodesign-Verordnung EU 2019/2020 (Single Lighting Regulation – kurz SLR) legt EU-weite Regeln zur Verbesserung der Produktleistung, einschließlich der Beleuchtung, fest. Sie bezieht sich wie bereits oben erwähnt auf Lichtquellen und separate Betriebsgeräte.

Die SLR definiert eine Lichtquelle als „ein elektrisch betriebenes Erzeugnis, das dazu bestimmt ist, Licht auszustrahlen, unter Verwendung von Glühlicht, Fluoreszenz, Hochdruckentladung, anorganischen Leuchtdioden (LED) oder organischen Leuchtdioden (OLED), oder deren Kombinationen als Lichttechnik“. Ein umgebendes Produkt dagegen ist definiert als ein Produkt, das eine oder mehrere Lichtquelle(n) oder separate Betriebsgeräte oder beides enthält. Beispiele für umgebende Produkte sind Leuchten, die auseinandergenommen werden können, um eine separate Überprüfung der enthaltenen Lichtquelle(n) zu ermöglichen; z. B. Haushaltsgeräte, die Lichtquelle(n) enthalten, und Möbel (Regale, Spiegel, Vitrinen), die Lichtquelle(n) enthalten. Wie Sie sehen, sind die Begriffsdefinitionen sehr komplex und es gibt viele Ausnahmen und Besonderheiten. Für eine ausführliche Beratung wenden Sie sich gerne an unsere Experten unter b2b@leds.de

Da die SLR Mindestanforderungen an die Energieeffizienz festlegt, wird jedes Produkt, das diese Anforderungen nicht erfüllt, schrittweise aus dem Verkehr gezogen, beginnend mit Produkten wie Kompaktleuchtstofflampen im Jahr 2021 und gefolgt von Produkten wie T8-Leuchtstofflampen im Jahr 2023. Wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, müssen diese Lichtquellen durch neue energieeffiziente Lichtquellen ersetzt und die Beleuchtungsanlagen erneuert werden.

Die neue Richtlinie betont außerdem den Nachhaltigkeitsgedanken und die Recycling-Fähigkeit von Produkten. So müssen Hersteller, Importeure und Bevollmächtigte umgebender Produkte sicherstellen, dass Lichtquellen und separate Vorschaltgeräte mit handelsüblichen Werkzeugen leicht und ohne dauerhafte Beschädigung des enthaltenden Produkts ausgetauscht werden können. Darüber hinaus müssen sie Anweisungen zur „Entnahme“ einer Lichtquelle bereitstellen, die anhand von Zeichnungen, Texten, Bildern usw. erklärt werden. Wenn in den technischen Unterlagen eine technische Begründung in Bezug auf die Funktion des umgebenden Produkts angegeben ist, aus der hervorgeht, warum der Ausbau von Lichtquellen und separaten Vorschaltgeräten zur Überprüfung nicht zweckmäßig ist, dann muss das gesamte (umgebende) Produkt alle Leistungs-/Informationsanforderungen erfüllen.

Die Verordnung EU 2019/2020 verlangt auch, dass Hersteller, Importeure und Bevollmächtigte von umgebenden Produkten Informationen über die Austauschbarkeit oder Nichtaustauschbarkeit von Lichtquellen und Vorschaltgeräten durch Endverbraucher oder qualifizierte Personen bereitstellen. Diese Informationen müssen sowohl auf der Verpackung als auch in der Gebrauchsanweisung, typischerweise in Form eines Piktogramms, zur Verfügung gestellt werden. Diese Symbole dürfen jedoch nicht verwendet werden, wenn sie Produkte enthalten, die eine Lichtquelle darstellen (z.B. Leuchten).

Zusammenfassend zur neuen Richtlinie (SLR) lässt sich sagen:

Alle umgebenden Produkte müssen über austauschbare Lichtquellen und Betriebsgeräte verfügen (es sei denn, es gibt eine technische Erklärung dafür, dass dies nicht der Fall ist).
Wenn die Lichtquelle und das Betriebsgerät des enthaltenden Produkts zur Überprüfung nicht entfernt werden können, gilt das umgebende Produkt als Lichtquelle für alle Anforderungen der Verordnung (Anforderungen an die Gesamtenergieeffizienz, Informationsanforderungen usw.) und die entsprechenden Energiekennzeichnungsanforderungen. Informationen über die Austauschbarkeit oder Nichtaustauschbarkeit der Lichtquelle und des Vorschaltgeräts müssen auf der Verpackung des enthaltenden Produkts angegeben werden (nur bei Produkten, die direkt an Endverbraucher verkauft werden).

Verordnung (EU) 2019/2015

Die Verordnung (EU) 2019/2015 (Energy Labelling Regulation: kurz ELR) bezieht sich auf Lichtquellen, zu denen Lampen, Module und sogar einige Produkte gehören (für Leuchten gibt es keine Energielabel-Anforderung), und verlangt von den Herstellern, mehr Informationen über ihre Energieleistung und Funktionsparameter bereitzustellen.

Eines der Hauptziele der neuen Verordnung ist es, dem Kunden/Endnutzer die nötigen Informationen zur Verfügung zu stellen, damit er sich für energieeffiziente Produkte entscheiden kann. Daher schreibt die Verordnung in erster Linie vor, dass spezifische Produktinformationen über ein verbraucherfreundliches Energieetikett bereitgestellt werden müssen. Die Hersteller müssen außerdem Informationen über die Klasse des Produkts sowie andere relevante technische Informationen zur Verfügung stellen.

Da die Verordnung für die gesamte Lieferkette gilt, gibt es unterschiedliche Anforderungen daran, welche Informationen von wem bereitgestellt werden müssen. Zum Beispiel müssen Lieferanten (d.h. Hersteller, Bevollmächtigte und Importeure) ein Energieetikett auf der Verpackung aller unabhängig verpackten Lichtquellen anbringen. Darüber hinaus muss der Lieferant auf Anfrage eines Händlers eine gedruckte Version des Produktinformationsblattes zur Verfügung stellen (die Informationen müssen immer elektronisch verfügbar sein).

Händler (d.h. Einzelhändler) hingegen müssen ihren eigenen Anforderungen folgen. So muss z.B. das Energielabel sichtbar auf der Verpackung einer Lichtquelle angebracht sein, und bei Fernverkauf müssen das Etikett und das Produktinformationsblatt ebenfalls zur Verfügung gestellt werden. In der Werbung für ein Produkt muss nicht nur die Energieeffizienzklasse des Produkts angegeben werden, sondern auch die Bandbreite der auf dem Etikett aufgeführten Energieeffizienzklassen.

Die Verordnung enthält auch spezifische Verpflichtungen für Online-Händler und Hosting-Plattformen. So müssen Online-Händler zum Beispiel das Energielabel und das Produktinformationsblatt auf der Website, auf der das Produkt angeboten wird, angeben.

Links: altes Energieeffizienzlabel
Rechts: neues Energieeffizienzlabel

Durch die Angabe der Größe, die ein Energieetikett haben muss (72 x 36 mm oder 54 x 20 mm), regelt die Verordnung auch die Mindestgröße, die eine Verpackung haben darf (d.h. nicht kleiner als 54 x 20 mm). Alle Etiketten, die auf der Grundlage der alten Verordnung erstellt wurden, müssen vor dem 1. März 2023 durch neue Etiketten ersetzt werden. Wenn man beabsichtigt, ein altes Etikett mit einem neuen Etikett abzudecken, muss man sicherstellen, dass das neue Etikett das alte Etikett vollständig abdeckt. (Hinweis: Energieetiketten sind für Leuchtenverpackungen nicht mehr erforderlich).

Zusätzlich zu den Etiketten selbst verlangt die Verordnung, dass alle Informationen, die auf dem Energielabel eines Produkts und in seiner technischen Dokumentation enthalten sind, auch in die Europäische Produktdatenbank für Energiekennzeichnung (EPREL-Datenbank) eingegeben werden. Wie das Etikett und die Dokumentation selbst ist auch die Eingabe der erforderlichen Daten in die EPREL eine Voraussetzung für den Verkauf eines Produkts auf dem europäischen Markt. Bereits seit dem 1. Januar 2019 ist die Registrierung von Lampen in EPREL 1.0 und die Angabe von Produktinformationen obligatorisch. Die Forderung nach einem Energielabel auf Leuchten wurde zum 25. Dezember 2019 zurückgezogen.

Obwohl die Details noch nicht ganz klar sind, wird das EPREL 2.0 ab dem 1. September 2021 auch für Lichtquellen und Produkte, die als Lichtquelle gelten, obligatorisch sein.

Warum sind die neuen Verordnungen nötig?

Hintergründe dieser Neuerungen sind die zu erreichenden erheblichen Energieeinsparungen, welche Schätzungen zufolge im Jahre 2030 jährlich mehr als 260 TWh betragen können. Dies würde eine Verringerung der Treibhausgasemissionen von rund 100 Millionen Tonnen per anno entsprechen. Auch der Energieverbrauch von Leuchtmitteln könnte bis 2030 jährlich um bis zu 41,9 TWh gesenkt werden. Im Vergleich dazu betrug der jährliche Stromverbrauch der Produkte im Geltungsbereich dieser Verordnung in der Europäischen Union im Jahre 2015 ca. 334 TWh, was 12,4% des Gesamtstromverbrauchs aller 28 Mitgliedsstaaten und einem Äquivalent von 132 Millionen Tonnen CO2 entspricht.

Die verbindlichen Ökodesign-Anforderungen gelten für in der Europäischen Union in Verkehr gebrachte Produkte unabhängig von ihrem Installations- und Nutzungsort und sollten daher nicht von der Anwendung abhängig gemacht werden, in der sie verwendet werden.

Der Erlass dieser Verordnung war notwendig, um dem neuen Skalierungs-Schema (Rückkehr zur Bewertung von A nach G) gerecht zu werden. Stichtag für die neuen Energieeffizienz-Label für Lichtquellen ist der 01.03.2021 – Unter Lichtquellen fallen dabei die nachfolgenden Punkte:

  • Lampen (Glühbirnen)
  • LEDs und LED-Module
  • Leuchten, bei denen die Lichtquelle nicht ausgebaut werden kann

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